Skadi und Njörd
- edithdrentwett
- 2. Jan.
- 4 Min. Lesezeit
Wir haben Winter, draußen schneit es und da denke ich an die Aussage eines Ewenken. Er meint, der Winter ist ihnen lieber als der Sommer. Die Kälte macht ihnen nichts, aber im Sommer ist der ewige Regen, alles ist nass. Da ist der Winter viel schöner und angenehmer.
…. da kam mir Skadi und Njörd in den Sinn und ihre gescheiterte Ehe. Wasser, Wasser und doch ist Wasser nicht gleich Wasser.
Skadi, hoch im Norden wurde sie auch Öndurdis genannt, sie die lichte Dise auf Kufen, mit Pfeil und Bogen. Göttergleich, mit mächtigen Kräften, ihr Element, Schnee und Eis nutzend. Naturgewaltig als Kraft des Winters, naturgewaltig als Tochter eines Frostriesen.
Sie bewegt sich leise in den Bergen. Von weit her scheinen die durch Schnee gedämpfte Geräusche zu kommen. Geschwind rutscht sie über Eis und Schnee. Eiskristalle um sich wirbelnd. Pfeilschnell wie ihre Jagdwaffe. Die Konturen der weißen Landschaft sind sanft, der Schnee liegt wie eine Daunendecke darüber und hat alle harten Kanten gebrochen. Weich und einladend sieht alles aus. Weiß und rein, still im Winterschlaf.
Auf leisen Kufen mit leisen Pfeilen, jagt die leise Jägerin. Jetzt wo die Berghänge mit kaltem Schnee bedeckt sind, Eiszapfen statt Früchten, starr im Wind hängen, ist Jagdzeit. Wer nach essbaren Pflanzen sucht, der ist jetzt Beute. Wer Fleisch ißt, ist Jäger und manche sind Jäger und Gejagter zugleich. Skadi liebt die leise Pirsch in den verschneiten Bergen.
Starr ist das Wasser, klar ist das Eis. Wie sollte es da wundern, dass sie mit ihrem Gemahl, Njörd dem Wassermann, nicht den rechten Platz finden konnte, wo sie gemeinsam leben sollen. Was der eine liebte, missviel dem anderen. Das winterliche Wolfsgeheul in den Bergen, war scheußlich für Njörds Ohren, das Geschrei der zankenden Möwen am Meer, war unerträglich für Skadis Gehör.
Was sie jedoch nicht aussprachen und doch in jeder Faser ihres Daseins spürten, war der Zustand ihres Elementes. Njörd liebte die Wellen, wenn es spiegelglatt in Ruhe rastete und wenn es brauste und sprühte. Das bewegte Wasser, stets im fluss, sich verstäubend, vom Himmel regnend und in der Sonne verdampfend. Selbst die Luft war voller Feuchtigkeit. So liebte er es, samt dem nie verstummendem Gesang des Meeres. So liebten es auch die geschwätzigen Möwen, die die Fische fingen, sich diese gegenseitig stibitzten und sich ständig darüber beschwerten, alles lautstark mitteilten, was sie empfanden. Triumph und Ärger, Langeweile und Aufregung, alles schrien sie in die Welt hinaus. Die ans Ufer brandenden Wellen, legten den steten Klangteppich dazu aus.
Auf Skadi drückte diese stete Bewegung, das Fließende und auch die steten Geräusche, die spitzen Schreie der Möwen. Ohne Unterlass, genau wie das vor und zurück, dieses rauf und runter der Wellen, das Fließen, das ewig nasse, es störte ihre Sinne, es raubte ihr den Schlaf.
Wie wundervoll war doch, die Stille, starr gefroren das Nass, Schneeflocken die langsam niedersinken. Die Stille, wenn sie auf ihren Kufen dahinglitt, die Geschwindigkeit und nur das sausen des Windes in ihren Ohren. Keine Bewegung. Nur sie wenn sie auf dem Schnee und Eis dahinglitt und das ziehende Wild, welches ihre Jagdlaune anstachelte. Welch Freude der Jagderfolg, mit leisem Pfeil.
Das Lärmende, das kannte sie. Nicht das Gewitter, denn auch das Gewitter macht eine Winterpause, nein. Aber in den Bergen, donnert ab und an eine Lawine ins Tal, ein Schneesturm pfeift, wirbelt und tobt sich aus und dann ist wieder Ruhe, wundervolle Ruhe, nur durchbrochen von dem Geheul der Wölfe, die Jäger, wenn sie sich unterhalten und singen. Sich gegenseitig versichern, ein Teil des Rudels zu sein. Ein schöner Gesang ist das in Skadis Ohren, wenn die Weisen der Wölfe in klarer Nacht, von klarer Luft, klar und schneidend weit getragen werden, von Bergseite zu Bergseite.
Das ist dem poltern in ihrem Heim nicht unähnlich, Trymheim das lärmende Heim in Asgard.
Njörd und Skadi, sie versuchten es, 9 Nächte hier und 9 Nächte dort, Erholung für den einen von den Strapazen der 9 Nächte davor und Prüfung für die Sinne des anderen. Doch es half nicht. Zu fremd und unbefriedigend war es für beide.
Nein es verwundert nicht, dass Njörd und Skadi sich schwer taten mit einem gemeinsamen Platz. So gingen beide ihre eigenen Wege und jeder lebte da, wo es ihm am besten gefiel. An seinem angestammten Platz.
Njörd klagt:
Leid sind mir die Berge, nicht lange war ich dort,nur neun Nächte.Der Wölfe Heulen, dünkte mich übel,verglich ich`s mit der Schwäne Singen.
Skadi erwidert:
Nicht schlafen konnt ich am Ufer der See,Vor der Vögel Lärm.Es weckte mich, vom Wasser kommend,Morgen für Morgen die Möwe.
(Gylfaginning 23)
Nach seinen Füßen wählte Skadi ihren Gatten. Nur auf diese Art, wurde ihre Forderung, von den Asen bewilligt. Wiedergutmachung wollte sie von den Asen, dafür das sie Thiazi, ihren Vater erschlugen. Einen Ehemann sollten sie ihr geben. Doch wählen durfte sie ihn nur anhand der Füße. So gefielen ihr Njörds Füße am besten, nicht wissend wem diese Füße gehörten und wo sie am liebsten verweilten.
Auch ein Zweites wollte Skadi. Zum lachen wollte sie gebracht werden. Ein kluger Wunsch. Wo gelacht wird, ist die Trauer überwunden.
Loki, wer auch sonst, hatte einen Einfall. Eine Ziege mußte her. Das Ende eines Seils band er ihr an ihren Ziegenbart. Das andere Ende band er sich an seine Hoden. Nun zog mal er und mal die Ziege, schmerzfrei war es wohl für beide nicht. Wie albern dieser Anblick war, wie sinnfrei das Getue. Da konnte Skadi nicht mehr an sich halten und lachte lauthals los.
Beide Forderungen waren nun erfüllt. Njörd, der neue Gatte, Wasser und Schnee, so erhofften sie sich, passt als Wasserelement sehr gut zusammen und doch kam alles anders.
Trymheimr ist das sechste, wo Thiazi hauste,jener übermächtige Jöte.Nun bewohnt Skadi, die lichte Götterbraut,des Vaters früheren Wohnplatz.
(Grimnirsmal, Vers 11)
Wer die stille Starrheit braucht, denn manchmal braucht es diese Auszeit und den Rückzug, wer sich gerne im verschneiten Winter in den Bergen auf Kufen bewegt, oder auf zugefrorenen Seen in anmutigen Bewegungen, Schlittschuhlaufen übt, des Winters Jagdglück braucht, sich in einer Situation wie festgefroren fühlt oder eine Reise auf verschneiten Straßen antritt, sollte sich die Gunst Öndurdis, der lichten Dise, Skadi, hell wie neuer Schnee, versichern.
Jede Kraft hat einen weiblichen und einen männlichen Hüter. Frauen wenden sich gerne an die weibliche Kraft, die Männer gerne an die männliche Kraft.
Für die zweiteren wäre Ullr, der Herrliche mit dem schönen Angesicht, im hohen Norden Öndurass genannt, die rechte Wahl. Auf leisen Kufen unterwegs in den verschneiten Bergen, mit Pfeil und Bogen auf dem Rücken.







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